Ungesundes Beraterleben

Sie reisen von Projekt zu Projekt, wohnen ständig im Hotel und schieben oft 60-Stunden-Wochen. So sieht das Leben vieler junger Unternehmensberater aus.
Kann man bei so einem Lifestyle gesund bleiben?

Sonntagabend wird der Koffer gepackt

Die Arbeitswoche beginnt sonntagabends – während Freunde und Bekannte noch ausgelassen das Wochenende genießen, verspüren Pendler bereits die erste Unruhe. Von Montag bis Donnerstag ist man beim Kunden eingesetzt, meistens weit weg von der Heimatstadt. In Gedanken geht man bereits seinen Terminkalender durch – wie wird das Wetter, habe ich nach der Arbeit noch Zeit zum Sport zu gehen oder Bekannte zu treffen?
Das richtige Packen ist eine hohe Kunst und hilft einem besser durch die Woche zu kommen. Doch auch ein Packprofi kann nicht alles bis ins letzte Detail planen, so überraschte einen der ein oder andere Wetterwechsel, der einen entweder im dünnen Kostüm am Bahnhof fast erfrieren lässt oder bei einem plötzlichen Sommereinbruch dazu führt, dass man in einem schwarzen Anzug auf einem Weinfest sitzt. Consultants müssen flexibel sein.

Nervenaufreibende Reisezeiten

Und zwar nicht nur beim Packen, sondern ebenfalls, was die morgendliche Anreise zum Kunden angeht. Montagmorgen startet der Arbeitstag für nicht wenige Berater gegen fünf Uhr. Es geht zum nächsten Flughafen oder Bahnhof. Ohne eine gewisse Resilienz sind die Reisezeiten nicht zu ertragen. Denn man weiß nie, was einen wieder für ein Spektakel erwartet: Personen im Gleis, Stellwerkstörungen, Böschungsbrände, verspätete oder gecancellte Flieger – es gibt nichts, was es nicht gibt. Die ersten Male steigt der Adrenalinspiegel an, dann lernt man schnell sich in das nächstbeste Bistro zu setzen und sich auf seine Mails zu stürzen. Wichtig ist hier eine klare Absprache mit dem Kunden den Montagvormittag flexibel zu gestalten, so kann man sich viele Sorgenfalten und graue Haare ersparen. Der gleiche Spaß erwartet einen dann am Donnerstagabend, wenn es wieder nach Hause geht. Auch hier lernt man schnell die richtige Erwartungshaltung im Freundeskreis zu vermitteln. Private Termine und Pläne haben sich nun mal leider oft dem Wunsch des Projektleiters zu beugen haben.

Entwurzelung und wenig Planbarkeit

Bei nicht wenigen Kunden ist man erst einmal nicht herzlich willkommen, insbesondere in Zeiten des Personalabbaus. Auch die Rahmenbedingungen für Externe sind schlechter, man zahlt einen Zuschlag in der Kantine, hat nicht uneingeschränkten Zutritt zu allen Räumlichkeiten und darf an vielen internen Veranstaltungen nicht teilnehmen. Wichtig ist es schnellstmöglich eine persönliche Bindung zum Kunden herzustellen und Vertrauen aufzubauen, das öffnet Türen und macht den Arbeitsalltag deutlich angenehmer.
Nicht jede Persönlichkeit ist für so einen Job geeignet, eine hohe Anpassungsfähigkeit ist sehr wichtig, genauso wie die Fähigkeiten Grenzen ziehen zu können. Denn unter der Woche zerrt der Kunden an einem und am Wochenende teilt man sich gefühlt in mehrere Personen, um seine privaten Kontakte halbwegs unter einen Hut zu bekommen. Wer neben seinen sozialen Kontakten großen Wert auf zeitintensive Hobbies, wie Sportvereine oder seine Reitbeteiligung legt, der sollte sich gut überlegen, ob die Beratung tatsächlich der richtige Weg ist. Am Ende ist es eine persönliche Entscheidung, wie viel man arbeiten will. Aber klar ist: Wer jede Minute, die über eine 38-Stunden-Woche hinausgeht, als Belastung empfindet, wird als Berater nicht glücklich.

Fast Food, Energydrinks, Süße Snacks

Das Beraterleben beinhaltet viele kulinarische Versuchungen, schon morgens lädt das üppige Frühstück in den Hotels dazu ein sich mal so richtig zu gönnen – Brötchen mit Marmelade und Nutella, Bacon und Rührei, Muffins und Pancakes. Mittags geht’s in der Kantine oft mit nicht besonders gesunden Essen weiter. Salate- und Beilagenbuffets sind hier eine gute Alternative zu den Tagesgerichten. Zudem empfiehlt es sich statt Pommes einfach mal zur Pellkartoffel greifen und die Cola mit einem Wasser zu ersetzen. Dann trifft einen das Suppenkoma nicht so heftig. Denn es warten stundenlange Excel- und Powerpoint-Schlachten auf die Consultants. Zum Glück gibt es ja Energydrinks, koffeinhaltige Getränke, Softdrinks und den guten alten Automaten in der Kantine, der einen zuverlässig mit Nervennahrung versorgt…auch hier gibt es Alternativen, die das Gehirn zur Höchstleistung treiben. Wer auf brainfood setzt und versucht Zwischenmahlzeiten zu reduzieren, der tut nicht nur seinem Gewicht etwas Gutes, sondern kann seine Produktivität extrem steigern. Schnelle Erfolge lassen sich zudem generieren, indem man seine Getränke auf Wasser reduziert, das bei vielen Unternehmen kostenfrei zu erhalten ist.

Work hard, play hard

Berater sind oft einem immensen Leistungsdruck ausgesetzt, sodass es keine Überraschung ist, dass Rauchen für nicht wenige dazu gehört. Auch um sich mit internen Mitarbeitern zu vernetzen und den neuesten Flurfunk zu erfahren.
Nach einem langen Arbeitstag, i.d.R. um die 10-12 Stunden geht es dann endlich wieder Richtung Hotel. Aber nicht für alle, denn Key Accounter und Senior Berater haben oft noch vertriebliche Verpflichtungen, um den Account zu halten bzw. weiter auszubauen. So steht noch das ein oder andere Abendessen mit dem Kunden an. Für die anderen Kollegen sind gemeinsame Aktivitäten oft wichtig. Unter der Woche ist man getrennt von Partner(in), Freunden und der Familie. Zudem hat man den Wunsch sich nach einem langen Tag zu belohnen. So gehören lange Nächte zum Beraterjob ganz selbstverständlich dazu. Insbesondere für Männer ist das Thema der Gruppendynamik hier nicht ungefährlich. Als gestandener Mann greift man abends dann doch lieber zur Grillplatte, anstatt die basische Buddha Bowl zu wählen. Dazu wird ordentlich getrunken, um Stress abzubauen, um loszulassen und um dazu zu gehören. Ein Abend ohne Alkohol wird schnell ziemlich selten und wenn es nur ein Glas Wein oder ein Bier ist…
Die Hardliner gehen danach noch feiern, die anderen versacken mit Netflix im Hotelzimmer. Nebenbei wird noch Social Media gecheckt, um nicht völlig den Anschluss zu verlieren. So kommen ganz schnell 14 Stunden „Bildschirmarbeit“ pro Tag zusammen.
Dieser Lifestyle bleibt natürlich auch körperlich nicht ungestraft, sodass nicht wenige Consultants nach einigen Monaten freitags mit wohlgenährten Pausbäckchen und ersten Bauchansätzen im Backoffice eintrudeln.
Es ist auch völlig legitim nach einem langen Tag abends gemeinsam essen zu gehen, aber ein Salat mit Geflügel oder eine Suppe tun es auch mal. Appartements oder Projektwohnungen ermöglichen es zudem auch unter der Woche frisch zu kochen.

Sport als wichtiger Ausgleich

Der Teufelskreis lässt sich sehr gut durchbrechen, wenn man mit mehreren Kollegen an einem Standort untergebracht ist. So kann man sich gegenseitig motivieren nach der Arbeit in Bewegung zu kommen. Der müde Rücken wird es einem danken und auch mental ist Sport eine wichtige Möglichkeit sich abzureagieren und den Kopf frei zu bekommen. Joggen oder Spazieren gehen, kann man nahezu überall. Viele Hotels verfügen zudem über halbwegs gut ausgestattet Fitness Studios oder sogar Schwimmbäder. Und doch gibt es viele Faktoren, die es wirklich herausfordernd machen, sich nach der Arbeit noch sportlich zu betätigen. Es ist ein immer währender Kampf gegen den inneren Schweinehund. Aber eins ist sicher – wenn man dann einmal läuft oder sich sportlich betätigt hat und auch eine gewissere Trainingsgrundlage angearbeitet hat, dann gibt es nichts Schöneres als federleicht seine Runden zu ziehen, danach abends mit leichter Erschöpfung einzuschlafen und am Morgen topfit aufzuwachen. Unternehmensberatungen sollten durch Bezuschussungen von Firmenläufen, Fitness-Studio Mitgliedschaften oder Schrittzähler-Challenges weitere Anreize setzen sportlich aktiv zu werden.

Netzwerke, hohe Lernkurven und Teamspirit

Trotz all den Herausforderungen, die das Beraterleben so mit sich bringt, gibt es auch viel Positives. Mit Geschäftsführern und Vorständen über die Trends in ihrer Branche diskutieren, am Ende eines Projekts eine neue Strategie für eine Firma vorstellen und Mitarbeiter motivieren neue Wege zu gehen, macht die Arbeit erfüllend.
Für den Berufsstart ist eine Beratertätigkeit empfehlenswert, man bekommt viele Einblicke in ganz verschiedene Unternehmen und Branchen. Man kann in verschiedenen Städten leben, hochwertige Fortbildungen besuchen und sich Netzwerke aufbauen, die einen noch lange tragen und beruflich extrem weiterbringen. Die hohe Lernkurve wird man in kaum einer anderen Tätigkeit haben. Zudem kommt der einzigartige Teamspirit, der bei vielen Accounts herrscht, aus dem sich langjährige Freundschaften entwickeln können.

Work smart – Betriebliches Gesundheitsmanagement macht’s möglich

Aber um zurück zur Ausgangsfrage zu kommen – ja, man kann auch als Berater gesund leben.
Hier ist eine gewisse Disziplin gefragt sowie eine gesunde Unternehmenskultur, die den Mitarbeiter in den Mittelpunkt stellt. Das Betriebliche Gesundheitsmanagement kann über vielfältige Angebote rund um eine gesunde und wertschätzende Führung, Gesundheitstage, Ernährungsseminare und sportliche Aktivitäten wichtige Anreize setzen und so helfen den Herausforderungen des Arbeitsalltages adäquat zu begegnen. Zur Analyse empfiehlt sich hier die Psychische Gefährdungsbeurteilung, die hilft ein BGM zu etablieren, dass sich an den Bedürfnissen der Berater orientiert.