Verdrängte Gefühle im Arbeitsalltag

Typische Reaktionen bei verdrängten Gefühlen sind völlig unkontrollierte Emotionen, die nicht mehr steuerbar sind. Dazu gehören patzige Antworten, eine aggressive Tonlage und körperliche Symptome, wie Zittern, Schweißausbrüche oder ein erhöhter Puls, die einer heftigen körperlichen Angstreaktion entsprechen.

Lange Zeit galt der Grundsatz, Gefühle haben im Business nichts zu suchen. Und noch immer denken Menschen, lediglich ein Aneignen von Fachwissen reiche aus, die Persönlichkeit zu entwickeln.
Rational wissen wir vieles. Führungskräfte wissen in der Regel, dass sie ihren Mitarbeitern vertrauen können, stattdessen kontrollieren sie heimlich und reagieren patzig.
Dabei ist es absolut wünschenswert, dass sich Mitarbeiter durch Hinterfragen in Prozesse hineinarbeiten und in der heutigen Arbeitswelt eigentlich mehr wegzudenken. Doch es gibt noch viel zu tun für die New Worker.
Neues wird oft immer noch als Gefahr wahrgenommen, altbekannte Wege versprechen dagegen Sicherheit.

Wie entstehen frozen feelings?

Wegschieben ist einfacher, als sich sofort mit dem Gefühlsausbruch auseinanderzusetzen, aus akuten werden so verdrängte Gefühle, sogenannte frozen feelings.
Evolutionär hat das einen Sinn. Das Verdrängen entlastet kurzfristig das Gehirn und gibt so ein Gefühl der Sicherheit. Diese Psychohygiene sorgt für das Verdrängen von schmerzhaften Emotionen.

Wer zum Beispiel versucht seine Selbstzweifel mit übertriebenen Leistungsansprüchen zu kompensieren, der hat damit nicht selten Erfolg. Das wiederum bestätigt ihn/sie genau so weiter zu machen. Hinzu kommt erschwerend, dass diese Art der Verdrängung gesellschaftlich eine hohe Akzeptanz genießt – vordergründig gerade für Führungskräfte, die destruktive Gefühle wie Angst, Minderwertigkeit, Neid von sich wegschieben wollen.

Welche Folgen haben bline Flecken für unseren Arbeitsalltag?

Langfristig belasten frozen feelings die Gesundheit und stören zwischenmenschliche Interaktionen. Denn verdrängte Gefühle blockieren die Fähigkeit unvoreingenommen mit anderen in Kontakt zu treten. Sie treten völlig unkontrolliert und in unpassenden Situationen ans Licht und sind dann oft nicht mehr steuerbar. Oft reißen kritische Feedbacks den so lang antrainierten Schutzpanzer ein, auch wenn sie noch so konstruktiv sind. Die unterdrückte Angst nicht gut genug zu sein, wird in diesem Moment bestätigt.

Emotionale Altlasten belasten Arbeitsbeziehungen

Oft versuchen sogenannte Represser alles alleine zu machen, da sie kein Vertrauen mehr in andere hat. Das ist insbesondere als Führungskraft sehr gefährlich, denn frozen feelings rauben nicht nur die Empathie für sich selbst, sondern auch die Empathie für die Mitarbeiter. Sie verleiten zu einer verzerrten Wahrnehmung. Dadurch können sie unfair bis hin zu offen aggressiv auftreten.

Führungskräfte mit vielen blinden Flecken sind für ihr Umfeld, wie ein Minenfeld. Mitarbeiter stehen dadurch permanent unter Stress. Sie werden falsch eingeschätzt, ihr Potenzial leidet darunter. Das führt dazu, dass freies Denken und Arbeiten extrem eingeschränkt werden.

Krank werden oder sich mit der nächsten Generation weiterentwickeln?

Doch irgendwann funktioniert auch die beste Kompensationsstrategie nicht mehr.
Workaholismus kann ein Beispiel hierfür sein. Wie andere Süchte, ist auch die Arbeitssucht der Versuch ein belastendes Gefühl nicht mehr spüren zu müssen. Workaholics möchten ihrem Umfeld permanent beweisen wertvoll zu sein. Die Gefahr an einem Burnout zu erkranken steigt dadurch massiv. Oft werden die Vorzeichen lange ignoriert und erst von den Betroffenen wahrgenommen, wenn die Zahlen plötzlich nicht mehr stimmen und der Körper nicht mehr so gehorchen will, wie von ihm verlangt wird.
Eine Chance bietet das Auseinandersetzen mit der jüngeren Generation, die deutlich freier und  schmerzfreier aufgewachsen, als alle Generationen vor ihr. Dadurch ist sie nicht mehr bereit schlechte Führung hinzunehmen und eine Arbeitswelt ohne Resonanzbeziehungen zu akzeptieren. Im Zweifelsfall verliert man wertvolle Talente, die solche Unternehmenskulturen nicht mehr tolerieren.

Auseinandersetzungen mit Gedanken und Gefühlen gehören für uns alle zur Selbstführung.
Eine der größten Wohltaten der Arbeit mit verdrängten Gefühlen ist, dass sie Energie freisetzt, die wir ansonsten im inneren Kampf mit unserem eigenen Schatten vergeuden. Die eigene Wut, Ohnmacht, Panik oder Angst wahrzunehmen ohne zu bewerten, sollte der erste Schritt sein. Menschen brauchen Unterstützung, um ihre Erfahrungen richtig zu interpretieren. Coachings können helfen mögliche Trigger zu erkennen und das eigene Verhalten besser zu verstehen. Eine aktive Führung der Gefühle durch Übungen (Atmung, bestimmte Druckpunkte) kann Betroffenen deutliche Erleichterung verschaffen.