Im Alltag spürst du, dass etwas in dir arbeitet: eine innere Unruhe, eine unterschwellige Anspannung oder das Gefühl, schneller zu reagieren, als du eigentlich möchtest.
Oft fehlen dir die Worte für das, was sich innerlich zeigt. Du funktionierst, passt dich an, übergehst deine Gefühle. Weil sie im beruflichen Kontext scheinbar keinen Platz haben.
Doch alles, was keinen Ausdruck findet, verschwindet nicht. Es bleibt in dir. Wirkt weiter. Leise, aber kraftvoll. In diesem Artikel erfährst du, wie verdrängte Gefühle entstehen, wie sie deinen Arbeitsalltag beeinflussen und warum der bewusste Umgang mit ihnen ein zentraler Schlüssel für innere Stärke ist.
Inhaltsverzeichnis
- Emotionen im Arbeitsalltag
- Was sind frozen feelings und wie entstehen sie?
- Welche Folgen haben blinde Flecken für unseren Arbeitsalltag?
- Wie emotionale Altlasten Arbeitsbeziehungen belasten
- Krank werden oder sich mit der nächsten Generation weiterentwickeln
- Einladung zu einer Übung: Verletzlichkeit anerkennen
- Verdrängte Gefühle im Arbeitsalltag: Fazit
Emotionen im Arbeitsalltag
Verdrängte Gefühle zeigen sich selten dort, wo wir sie erwarten. Meistens nicht leise und subtil, sondern genau dann, wenn wir eigentlich souverän wirken wollen.
Typische Reaktionen bei verdrängten Gefühlen sind völlig unkontrollierte Emotionen, die nicht mehr steuerbar sind. Dazu gehören patzige Antworten, eine aggressive Tonlage und körperliche Symptome, wie Zittern, Schweißausbrüche oder ein erhöhter Puls, die einer heftigen körperlichen Angstreaktion entsprechen.
Lange Zeit galt der Grundsatz, Gefühle hätten im Business nichts zu suchen. Und noch immer denken Menschen, lediglich ein Aneignen von Fachwissen reiche aus, um die Persönlichkeit zu entwickeln.
Rational wissen wir vieles. Führungskräfte wissen in der Regel, dass sie ihren Mitarbeitern vertrauen können, und trotzdem kontrollieren sie heimlich.
Dabei ist es absolut wünschenswert, dass sich Mitarbeitende durch Hinterfragen in Prozesse hineinarbeiten, und in der heutigen Arbeitswelt eigentlich nicht mehr wegzudenken. Doch es gibt noch viel zu tun für die New Worker.
Neues wird oft noch als Gefahr wahrgenommen, altbekannte Wege versprechen dagegen Sicherheit.
Was sind frozen feelings und wie entstehen sie?
Wegschieben ist einfacher, als sich sofort mit dem Gefühlsausbruch auseinanderzusetzen. Aus akuten Gefühlen werden so verdrängte Gefühle, sogenannte frozen feelings.
Frozen feelings sind verdrängte Emotionen, die nicht integriert wurden. Sie bleiben im Inneren bestehen und zeigen sich später in Form von Überreaktionen, Kontrollverhalten, Erschöpfung oder innerer Distanz.
Evolutionär hat das einen Sinn. Das Verdrängen entlastet kurzfristig das Gehirn und gibt so ein Gefühl der Sicherheit. Diese Psychohygiene sorgt für das Verdrängen von schmerzhaften Emotionen.
Wer zum Beispiel versucht, seine Selbstzweifel mit übertriebenen Leistungsansprüchen zu kompensieren, der hat damit nicht selten Erfolg. Das wiederum bestätigt sie/ihn, genau so weiterzumachen. Hinzu kommt erschwerend, dass diese Art der Verdrängung gesellschaftlich eine hohe Akzeptanz genießt – vordergründig gerade für Führungskräfte, die destruktive Gefühle wie Angst, Minderwertigkeit oder Neid von sich wegschieben wollen.
Impuls zur Selbstreflexion: Verdrängte Gefühle aufspüren
In welchen Situationen reagierst du stärker, als es der Moment eigentlich erfordert?
Denk an eine aktuelle Stresssituation.
Wo im Körper spürst du Spannung, Druck oder Unruhe?
Was würde passieren, wenn du dieses Gefühl nicht sofort bewertest, sondern ihm einfach Raum gibst?
Welche Folgen haben blinde Flecken für unseren Arbeitsalltag?
Langfristig belasten frozen feelings die Gesundheit und stören zwischenmenschliche Interaktionen. Denn verdrängte Gefühle blockieren die Fähigkeit, unvoreingenommen mit anderen in Kontakt zu treten.
Sie treten völlig unkontrolliert und in unpassenden Situationen ans Licht und sind dann oft nicht mehr steuerbar. Oft reißen kritische Feedbacks den so lang antrainierten Schutzpanzer ein, auch wenn sie noch so konstruktiv sind. Die unterdrückte Angst, nicht gut genug zu sein, wird in diesem Moment bestätigt. Insbesondere bei Menschen mit narzisstischer Veranlagung kann das zu unkontrollierten Wutausbrüchen führen.
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Mehr InformationenWie emotionale Altlasten Arbeitsbeziehungen belasten
Oft versuchen sogenannte Repressor*innen, alles alleine zu machen, da sie kein Vertrauen mehr in andere haben.
Das ist insbesondere als Führungskraft sehr gefährlich, denn frozen feelings rauben nicht nur die Empathie für sich selbst, sondern auch die Empathie für die Mitarbeitenden.
Sie verleiten zu einer verzerrten Wahrnehmung. Dadurch können sie unfair bis hin zu offen aggressiv auftreten.
Führungskräfte mit vielen blinden Flecken sind für ihr Umfeld, wie ein Minenfeld. Mitarbeitende stehen dadurch permanent unter Stress. Sie werden falsch eingeschätzt, ihr Potenzial leidet darunter. Fehler werden bestraft. Das führt dazu, dass freies Denken und Arbeiten extrem eingeschränkt werden.
Impuls Session zu Verletzlichkeit und verdrängten Gefühlen im Arbeitsalltag
Speziell zu diesem Thema haben wir eine eigene ImPuls-Session entwickelt.
In der Session „Scham-Resilienz – Verletzlichkeit anerkennen“ schaffen wir einen geschützten Raum, um uns mit unseren verdrängten Gefühlen, unserer inneren Unsicherheit und unseren emotionalen Schutzmechanismen auseinanderzusetzen.
Die ImPuls-Session verbindet kurze theoretische Impulse mit angeleiteten Reflexionen und praktischen Übungen. Ziel ist es, innere Reaktionsmuster bewusster wahrzunehmen und die eigene emotionale Widerstandskraft zu stärken.
Krank werden oder sich mit der nächsten Generation weiterentwickeln?
Doch irgendwann funktioniert auch die beste Kompensationsstrategie nicht mehr.
Workaholismus kann ein Beispiel hierfür sein. Wie andere Süchte, ist auch die Arbeitssucht der Versuch, ein belastendes Gefühl nicht mehr spüren zu müssen. Workaholics möchten ihrem Umfeld permanent beweisen, wertvoll zu sein. Die Gefahr, an einem Burnout zu erkranken, steigt dadurch massiv. Oft werden die Vorzeichen lange ignoriert und erst von den Betroffenen wahrgenommen, wenn die Zahlen plötzlich nicht mehr stimmen und der Körper nicht mehr so gehorchen will, wie von ihm verlangt wird.
Eine Chance bietet das Auseinandersetzen mit der jüngeren Generation, die deutlich unbelasteter und schmerzfreier aufgewachsen ist, als alle Generationen vor ihr. Dadurch ist sie nicht mehr bereit, schlechte Führung hinzunehmen und eine Arbeitswelt ohne Resonanzbeziehungen zu akzeptieren. Im Zweifelsfall verliert man wertvolle Talente, die solche Unternehmenskulturen nicht mehr tolerieren.
Auseinandersetzungen mit Gedanken und Gefühlen gehören für uns alle zur Selbstführung.
Eine der größten Wohltaten der Arbeit mit verdrängten Gefühlen ist, dass sie Energie freisetzt, die wir ansonsten im inneren Kampf mit unserem eigenen Schatten vergeuden. Die eigene Wut, Ohnmacht, Panik oder Angst wahrzunehmen, ohne zu bewerten, sollte der erste Schritt sein. Menschen brauchen Unterstützung, um ihre Erfahrungen richtig zu interpretieren.
Resilienz-Coachings können helfen, mögliche Trigger zu erkennen und das eigene Verhalten besser zu verstehen. Eine aktive Führung der Gefühle durch Achtsamkeitspraktiken (Meditationen, Atmung, bestimmte Druckpunkte) kann Betroffenen deutliche Erleichterung verschaffen.
Einladung zu einer Übung: Verletzlichkeit anerkennen
Diese Übung unterstützt dich dabei, unangenehme Gefühle bewusst wahrzunehmen, ohne sie sofort zu verdrängen oder zu kontrollieren.
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Schritt 1
Denk an eine Situation, die dich emotional herausfordert oder beschämt hat. -
Schritt 2
Benenne innerlich das Gefühl, das sich zeigt, ohne es zu erklären oder zu bewerten. -
Schritt 3
Spüre, wo im Körper dieses Gefühl präsent ist. -
Schritt 4
Atme ruhig weiter und bleib für einige Atemzüge bei dieser Wahrnehmung. -
Schritt 5
Erinnere dich daran, dass Gefühle kommen und gehen dürfen, ohne dass du sofort handeln musst.
Verdrängte Gefühle im Arbeitsalltag: Fazit
Verdrängte Gefühle sind kein Zeichen von Schwäche, sondern von Schutz. Sie zeigen, wo etwas zu viel war und wo wir gelernt haben, uns selbst nicht mehr ganz zu spüren.
Resilienz bedeutet nicht, härter zu werden oder sich besser zu kontrollieren. Sie entsteht dort, wo wir beginnen, auch unangenehme innere Zustände auszuhalten, ohne sie sofort zu bewerten oder zu verdrängen.
Nicht jedes Gefühl muss gelöst werden. Aber jedes darf wahrgenommen werden.
Du möchtest gelassener mit stressigen Situationen umgehen?
Ein Resilienz-Coaching hilft dir, deine Stärken auszubauen und einen besseren Zugang zu inneren Kompetenzen zu erhalten. Dabei wird auch der Umgang mit blinden Flecken durch verschiedene Persönlichkeitstests behandelt.
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