Die Bedeutung von Achtsamkeit in der Corona-Krise

Mindfulness, zu Deutsch Achtsamkeit, schenkt uns eine Haltung der Offenheit und kann uns helfen nicht im permanenten Widerstand zu sein, denn dabei verlieren wir jede Menge Energie. Energie, die wir insbesondere in der aktuellen Situation auch anderweitig nutzen können.
Auch Unternehmen haben spätestens nach dem Bestseller „Search inside yourself“ von Google-Ingenieur Chade Meng-Tan die positiven Auswirkungen von Achtsamkeitsübungen für sich erkannt und so hat ein Thema, das von vielen gerne in die „Eso-Ecke“ geschoben wurde, Einzug in die Führungsetagen der Wirtschaftswelt erhalten. Inzwischen warten nicht nur Google-Mitarbeiter mehrere Monate bis sie einen Platz in einem der heiß begehrten Kurse bekommen, um dort durch Meditieren zu lernen die eigenen Gefühle zu erkennen und zu regulieren.

Was bedeutet Achtsamkeit eigentlich genau?

„Achtsamkeit bedeutet aufmerksam zu sein für das, was im gegenwärtigen Moment passiert im Geist, Körper und im externen Umfeld, in einer Haltung der Neugier und des Wohlwollens.“

-Mindful Nation UK Report

Achtsamkeitsbasiertes Meditieren kann uns also helfen aus dem Autopiloten auszubrechen und ganz bewusst am Hier und Jetzt teilzunehmen. Oft merken wir selbst gar nicht mehr, wie häufig unsere Gedanken abschweifen und wie schwer es ist fokussiert bei EINER Sache zu bleiben. Das ist nicht nur mehr als unhöflich gegenüber von Mitmenschen und Kollegen, die bspw. viel Zeit investiert haben einen Workshop vorzubereiten, sondern nimmt uns auch die Konzentration und den Fokus. Achtsamkeit kann dazu beitragen wieder produktiver zu sein.
Durch die Corona-Krise sind wir alle dünnhäutiger und empfindlicher. Jeder von uns kann durch einfache Übungen dazu beitragen, dass wir umsichtiger miteinander umgehen. Vielleicht fahren wir uns dann endlich mal wieder ein wenig runter und hängen nicht mit 150 km/h und Lichthupe auf der Autobahn oder rammen unserem Vorgänger den Einkaufswagen in den Rücken…


Warum ist Achtsamkeit so wichtig?

  1. Eine achtsame Haltung kann uns helfen besser mit stressigen Situationen und Problemen umzugehen.
  2. Unser Fokus und unsere Konzentration verbessern sich nachweislich. Wenn man bedenkt, dass unsere durchschnittliche Aufmerksamkeitsspanne inzwischen bei acht Sekunden liegt, besteht hier definitiv Handlungsbedarf.
  3. Durch regelmäßige Meditationen verbessern wir unsere kreative und intuitive Fähigkeit, um Probleme anzugehen, die nicht linear zu lösen sind – insbesondere in der VUCA-Welt unerlässlich!
  4. Empathie, Perspektivwechsel und Hilfsbereitschaft intensivieren sich, was sich in einer verbesserten Arbeitskultur bemerkbar macht. Wir erlernen und erfahren dadurch mehr Zugewandtsein, eine der am tiefsten verankerten neurobiologischen Grundbedürfnisse des Menschen.
  5. Positive Effekte auf unsere Gesundheit lassen sich nachweislich messen.

Und wie lässt sich das Ganze wissenschaftlich erklären?

Regelmäßige Achtsamkeitsübungen verändern die Biochemie unseres Körpers, wirken auf die Gehirnstruktur, die Fähigkeit zur Emotionskontrolle und damit auf unser Sozialverhalten.
Die Havard Medical School in Boston konnte belegen, dass bereits nach 8 Wochen täglichem Meditieren Veränderungen in unserer Gehirnstruktur festzustellen sind. Die Amygdala, auch Mandelkern genannt, ist ein Teil des Limbischen Systems. Sie ist im Wesentlichen verantwortlich für die Bewertung und Wiedererkennung von Situationen sowie der Analyse möglicher Gefahren und der daraus entstehenden emotionalen Mechanismen. So steuert der Mandelkern z.B. unsere Furcht oder unsere Aggressionen. Durch regelmäßiges Meditieren ließ sich nachweisen, dass die Amygdala kleiner wurde. Das befreit uns aus einem permanenten Gefahrenzustand und ermöglicht dem Teil unseres Gehirns, der rationale Entscheidungen trifft, präsenter zu werden.
Zudem lässt sich über Studien nachweisen, dass persönliches Glück und Wohlbefinden gesteigert werden.

MBSR ist ein neurowissenschaftlich anerkanntes Programm

Jon Kabat-Zinn ist ein amerikanischer Molekularbiologe, der 1979 mit seinen Mitarbeitern ein kraftvolles Verhaltenstraining, basierend auf meditativen Praktiken entwickelt hat.

Mindfulness Based Stress Reduction, zu Deutsch, achtsamkeitsbasierte Stressmeditation, ist ein achtwöchiges Programm zur verbesserten Körperwahrnehmung. Im Sitzen und im Gehen werden Konzentration und Aufmerksamkeit geübt.

Ursprünglich sollte das Programm chronischen Schmerzpatienten dienen, erhielt aber in den folgenden 30 Jahren weltweit Einzug in Gesundheitszentren, Unternehmen, Schulen, sogar in Gefängnisse und in die amerikanische Armee. MBSR wird seit Jahren wissenschaftlich erforscht und erfährt hohe Anerkennung sowohl von Medizinern als auch Psychotherapeuten. Derzeit sind alle gesetzlichen Krankenkassen in Deutschland dazu übergegangen, MBSR-Kurse bei zertifizierten MBSR-Lehrern zu bezuschussen.

Auch Unternehmen erkennen die Bedeutung von Achtsamkeit für sich

SAP ist sicher das Paradebeispiel für die deutsche Konzernwelt. Was 2012, als Graswurzelbewegung startete, ist heute in der Unternehmenskultur verankert. SAP hat über 50 Mindfulness Ambassadors an über 35 Standorten ausgebildet. An dem zweitägigen Seminar (Search Inside Yourself) nahmen inzwischen über 11.400 Mitarbeiter teil. Die Warteliste ist lang.


Wie kann ich Achtsamkeit in mein Leben integrieren?

Es gibt viele einfache Möglichkeiten wieder achtsamer im Alltag zu sein. Ein mächtiges Tool ist hier dein Atem. Die Atmung beeinflusst unser Erinnerungsvermögen als auch die Fähigkeit, emotionale Einschätzungen zu treffen. Dabei sind vor allem der Hippocampus (Erinnerungsvermögen) und die Amygdala (Angstempfinden) betroffen.

Baue kurze Meditationen in deinen Alltag ein, indem du dich voll und ganz auf deinen Atem konzentrierst. Versuche aufkommende Gedanken loszulassen und dich nur auf den Fluss deines Atems zu konzentrieren. Einfache Anleitungen sind über zahlreiche Meditations-Apps oder Youtube-Videos zu finden.

Eine andere Möglichkeit ist es, tägliche Rituale ganz bewusst wahrzunehmen. Beim Zähneputzen einfach nur beim Zähneputzen zu bleiben! Ein Mal das Gedankenkarussell ausschalten und nicht darüber nachdenken, was der heutige Tag bringen wird oder gebracht hat oder welche Aufgaben noch anstehen. Auch jede Nahrungsaufnahme, jede Kaffeepause bieten hervorragende Möglichkeiten, um sich voll und ganz auf den Geschmack der Mahlzeit oder des Getränkes zu konzentrieren.

Der Gegenspieler von Achtsamkeit

Hallo Multitasking – so stolz sind wir oft auf die Fähigkeit mehrere Tätigkeiten parallel durchzuführen. Gerade in Home Office-Zeiten ein gefragtes Talent…während einer Telko noch schnell Mails verfassen oder den Abwasch erledigen.
Multitasking kostet das Gehirn extrem viel Energie, denn es muss wahnsinnig schnell zwischen verschiedenen Netzwerken hin- und herschalten. Der Preis, den wir dafür zahlen ist ein unfassbar hoher Energiebedarf. Am Ende eines Home Office-Tages sind wir nach stundenlangem Multitasking oft völlig ausgelaugt.
Sehr hilfreich für eine gute Struktur ist hier beispielsweise die Pomodoro-Technik – sich 25 min. einer Tätigkeit zu widmen und anschließend eine fünfminütige Pause einzuläuten, vielleicht ab sofort mit einer kleinen Achtsamkeitsübung 😉

affirmation

Mindfulness@Work

Selbstwahrnehmung und Achtsamkeit stellen die Basis für eine resiliente Haltung dar.
Im Rahmen eines zweitägigen Seminar lernen die Teilnehmer neben neurowissenschaftlichen Studien erste Meditationen und Methoden kennen. Das schafft einen Zugang zu inneren Kompetenzen und einen bewussteren Umgang mit Gefühlen. Das Training ist ebenfalls digital oder als Outdoor-Training durchführbar.