Sidepreneure – erfolgreich in beiden Welten

Wer nebenberuflich selbstständig (Sidepreneur) ist, genießt den Vorteil des sicheren Angestellten-Einkommens und schärft seinen Unternehmergeist mit dem Business seiner Wahl. Was im Hauptjob von der Führungskraft erledigt wird, muss im Nebenjob selbst übernommen werden. Hier ist eine Hands-On Mentalität gefragt, die sich nicht zu schade ist auch organisatorische oder administrative Aufgaben zu erfüllen. Dafür kann der Sidepreneur in seinem eigenen Tempo experimentieren und sich unternehmerisch ausprobieren, ohne Angst im Falle eines Scheiterns auf der Straße zu landen.
Hört sich doch insgesamt sehr verlockend an und trotzdem trauen sich die Deutschen noch nicht wirklich ihre Nebenberufung auszuleben. Laut KfW-Monitor gründeten 2018 gerade mal 292.000 Angestellte im Nebenerwerb. Was sind also die großen Herausforderungen einer nebenberuflichen Gründung und wie kann man in beiden Welten erfolgreich sein?

Flow-Momente – wenn arbeiten Spaß macht

Ein Sidepreneur ist von seiner Sache völlig überzeugt, er liebt die Beschäftigung mit seinem Thema. Die selbstständige Arbeit schenkt ihm sogenannte Flow-Momente. Das sind Momente, in denen man sich in einer Art Rauschzustand befindet und während der ausgeübten Tätigkeit Zeit und Raum vergisst. Hört sich für viele Menschen insbesondere im Kontext mit Arbeiten erstmal ziemlich befremdend an. Häufig ist dieser Zustand bei Menschen zu beobachten, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben, sich also Dingen widmen, die ihnen leicht von der Hand gehen und für die sie ein besonderes Talent mitbringen.
Und genau aus diesem Grund fühlt sich die Beschäftigung mit der Sache nicht wie Arbeit an – jedenfalls zunächst nicht. Flow-Momente sind auch für die innere Zufriedenheit und damit auch für den Gesundheit wahre Heilsbringer, denn Stresshormone werden abgebaut und das Belohnungssystem aktiviert. Und so ist es nicht verwunderlich, dass Sidepreneurs sich in ihrer Freizeit voller Elan auf ihr selbst gewähltes Business stürzen, sie investieren Zeit und Geld in Weiterbildung und Literatur, nehmen an Veranstaltungen teil und eignen sich so neues Wissen an. Und das alles neben der Festanstellung. Das stößt nicht selten auf Unverständnis im Familien- und Freundeskreis.

Workaholismus oder absolute Erfüllung?

Klar ist, Sidepreneure haben keinen normalen 9-to-5-Job. Während andere schon auf dem Sofa chillen oder Party machen, bastelt der Sidepreneur an seinem Pitch Deck, betreibt Akquise, programmiert die eigene Webseite oder befeuert seine Social-Media-Kanäle.
Das klingt schon unentspannt, nach Überstunden und wenig Erholung. Nicht selten werden Sidepreneure als Workaholics wahrgenommen. Und trotz der „Doppelbelastung“ wirken sie zufrieden. Erste Reaktionen aus dem Umfeld können ganz unterschiedlich sein, von Bewunderung bis hin zu völligem Unverständnis ist alles möglich. Denn den Wunsch vom selbstbestimmten Arbeiten teilen viele Menschen, die Disziplin und den Fokus diesen in die Realität umzusetzen eher wenige.
Einfach gesagt – Erfolg wollen alle und zwar am liebsten im Schlaf. Das funktioniert natürlich nicht, Mehrarbeit und Einsatz sind zwingende Bestandteile von Erfolg und haben nichts mit Workaholismus zu tun. Es geht vielmehr um ein Umshiften der Prioritäten und eine Steigerung der Effizienz. Während andere auf Netflix abhängen, vertiefen sich Sidepreneure in Fachliteratur oder tauschen sich mit anderen Selbstständigen aus. Insbesondere in Zeiten des Aufbaus ist man regelrecht süchtig danach sein eigenes Business nach vorne zu treiben. Tausende von Ideen schwirren durch den Kopf und wollen in geordnete Bahnen gebracht werden. Wie alle Selbstständigen besitzen Sidepreneure eine Machermentalität. Sie überwinden den inneren Schweinehund und treiben sich immer wieder zur Höchstleistung an. Das Gefühl der Selbstverwirklichung und die Belohnung mit dem erfolgreich zu sein, was einen ausmacht und wirklich erfüllt, ist unbezahlbar. Trotzdem sollte man seine Entscheidung nicht alleine treffen, sondern mit seinen Engsten besprechen und klare Grenzen festlegen. Denn so schön die Nebenberufung auch ist, sind kann und sollte keine Beziehung zu anderen Menschen ersetzen. Und ohne die Unterstützung und die Anerkennung des direkten Umfeldes ist das Ganze nur halb so viel wert.

Wie wird man Sidepreneur?

Begünstigt wird das Sidepreneurship durch die Digitalisierung. Nie zuvor war es so leicht, sich beispielsweise mit einem Online Business selbständig zu machen. Digitale Produkte wie E-Books, Onlinekurse und digitale Dienstleistungen oder Beratungen sowie Coachings sind ortunabhängig möglich. Theoretisch kann jeder Selbständiger im Nebenerwerb werden und die realistische Umsetzung seiner Geschäftsidee im überschaubaren Rahmen überprüfen. Auch für Herzensprojekte, wie ehrenamtliche oder soziale Tätigkeiten bietet sich das Sidepreneurship hervorragend an, da die Fixkosten durch die Festanstellung gedeckt sind.


Folgende Eigenschaften und Fähigkeiten sind u.a. notwendig:

  • Eine zündende Idee/ Vision
  • Selbstmotivation
  • Ausdauer
  • Fokus
  • Ein gutes Zeitmanagement

Ist Sidepreneurship ein Karrierekiller?

Das lässt sich pauschal nicht beantworten und liegt sicherlich an mehreren Faktoren.
Auf der einen Seite ist eine transparente Kommunikation das A und O. In der Regel ist ein Antrag auf nebenberufliche Tätigkeit auszufüllen, der von der direkten Führungskraft freigegeben wird und nicht in Wettbewerb mit der Festanstellung stehen darf. Hier sollte man absolut transparent und ehrlich sein!
Die Trennung zwischen Angestelltenverhältnis und nebenberuflicher Selbstständigkeit sollte ebenfalls selbstverständlich sein, schließlich sichert der Sidepreneur über die Anstellung seine Fixkosten und sollte sich während dieser Arbeitszeit voll und ganz diesen Tätigkeiten widmen. Hierzu gehört auch eine klare Kommunikation mit den eigenen Kunden und das Abstecken festgelegter Zeiten der Erreichbarkeit. Anders wie Selbstständige kann der Sidepreneur nicht so flexibel auf Kundenanliegen reagieren, dies sollte von Anfang an klargestellt werden. Der Sidepreneur muss mit einem limitierten Kontingent an Zeit auskommen. Dazu gehört auch eine knallharte Analyse, wie man seine Zeit verbringt. In den ersten Monaten ist das Zeit- und Organisationsmanagement sehr fordernd.
Viele Angestellte fürchten neben dem Zeitfaktor um ihre Karrieremöglichkeiten nach der Offenlegung des Sidepreneurships. Ängste, wie nicht mehr befördert zu werden oder nur noch unwichtige Randaufgaben übernehmen zu dürfen, da man sich ja ohnehin auf dem Absprung befindet, sind keine seltenen und nicht immer ungerechtfertigte Befürchtungen. Insbesondere Führungskräfte, die gerne noch einer Nebenberufung nachgehen möchten, machen sich oft viele Gedanken, inwieweit solche Modelle in der Realität umsetzbar sind. Ausschlaggebend sind hier in der Regel das Verhältnis mit der direkten Führungskraft sowie die Unternehmenskultur.

Warum Unternehmen von Sidepreneuren profitieren

So zahlreich die Sorgen vor Anmeldung der Nebenberufung sind, so schnell können sie in der Regel zerschlagen werden. Denn der Sidepreneur schärft seinen unternehmerischen Geist. Er lernt sein eigenes CI/CD zu entwickeln, mit kleinen Budgets möglichst viel aus Kampagnen herauszuholen, sich bei Pitch-Terminen zu behaupten, Apps und Webseiten zu programmieren, auf Bühnen zu sprechen, die eigene Buchhaltung zu führen, uvm. Dadurch erschließt er ganz neue Fachgebiete, die in seinem eigentlichen Jobprofil gar nicht notwendig sind und ist dadurch vielfältig in Organisationen einsetzbar. Die Erfahrungen, die man aus dem Sidepreneurship zieht, sind mit keiner klassischen Fortbildung aufzuwiegen. Man erlernt das Unternehmertum aus erster Hand, mit all seinen Vorteilen und auch Schattenseiten.
Unternehmen, die ihren Mitarbeitern diese Art der Selbstverwirklichung ermöglichen, werden von hochmotivierten Angestellten profitieren, die über den Tellerrand hinausblicken können. Zudem wird die Bindung zum Arbeitgeber gestärkt und auch im Recruiting werden sich solche Benefits positiv auf die Sicherung von hochqualifizierten Talenten auswirken.

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