Schlüsselqualifikation der Digitalisierung

An dem buzzword „self awareness“ kommt man spätestens nach dem Bestseller „Search inside yourself“ von Google-Ingenieur Chade Meng-Tan nicht mehr vorbei. Und so hat ein Thema, das von vielen gerne in die „Eso-Ecke“ geschoben wurde, Einzug in die Führungsetagen der Wirtschaftswelt erhalten. Inzwischen warten Google-Mitarbeiter mehrere Monate bis sie einen Platz in einem der heiß begehrten Kurse bekommen, um dort durch Meditieren zu lernen die eigenen Gefühle zu erkennen und zu regulieren. Die positiven Ergebnisse der regelmäßigen Introspektion haben auch Unternehmen wie Axa, Ford, Roche oder SAP für sich erkannt. Und das völlig zurecht, denn die Selbstwahrnehmung stellt die Basis für eine resiliente Haltung dar. Sie ist eine Kernkompetenz, um Stress aktiv wahrzunehmen und dadurch flexibel darauf reagieren zu können.


Was ist Resilienz?

Resilienz beschreibt kurz gesagt die seelische Widerstandskraft, die es uns ermöglicht, Krisen besser zu überstehen. Resilienten Menschen gelingt es nicht nur, belastende Lebensumstände zu bewältigen, sondern diese Erkenntnisse auch für ihren weiteren Lebensweg positiv zu nutzen. Wer resilient ist, besitzt also eine hohe psychische Widerstandfähigkeit und Belastbarkeit.


Resilienz in der VUCA-Welt

Was aber, wenn das Leben selbst, auch ohne besondere Umstände, immer belastender wird?
Die innere Widerstandsfähigkeit sollte in der VUCA-Welt zu einer bewussten Lebenseinstellung werden. Unser seelisches Immunsystem spielt im Arbeitsalltag eine große Rolle. Die hohe Geschwindigkeit mit der sich Geschäftsmodelle und Organisationen verändern müssen, setzt viele Menschen unter Stress. Es ist mehr denn je gefragt Widersprüche auszuhalten, permanente Veränderungsbereitschaft und Austauschbarkeit zu akzeptieren, Rückschläge wegzustecken und dem hohen Arbeitstempo Stand zu halten.
Resiliente Menschen haben hier Vorteile, denn sie haben die Fähigkeit besser mit diesen Herausforderungen umzugehen und erhalten so ihre eigene Motivation und die Freude an der Arbeit. Das betrifft aber leider eine kleine Anzahl der Belegschaft. Ansteigende Fallzahlen an psychischen Störungen und Erkrankungen veranlassen nach wirksamen Strategien zu suchen, um Menschen auf die neuen Anforderungen der Arbeitswelt vorzubereiten.

Die Arbeitswelt im Wandel

Heutzutage ist es nicht mehr ausreichend ein gut ausgebildeter Facharbeiter zu sein. Es kommt darauf an, große Informationsmengen und Sachverhalte in relativ kurzer Zeit so darzustellen, dass sie produktiv weiterverarbeitet werden können. Mitarbeiter brauchen Kreativität und ein lösungsorientiertes Denken, damit sie zu tragfähigen Arbeitsergebnissen kommen. Dazu gehören gute, stabile zwischenmenschliche Beziehungen in Teams und auch zu Kunden, die aufgebaut und gepflegt werden müssen.
Hinzu kommt die hohe Selbstorganisation, die von jedem Einzelnen verlangt wird. So werden Arbeitende immer mehr zu Unternehmern ihrer eigenen Arbeitskraft. Das setzt ein hohes Maß an Resilienz zur Selbststeuerung voraus, um diese Veränderungen zu bewältigen.

Wie kann man als Unternehmen etwas für die Resilienz der Mitarbeiter tun?

Die gute Nachricht, Resilienz lässt sich aufbauen. Unseren Körper und unser Immunsystem stärken wir durch eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung. Das haben viele Unternehmen für sich erkannt und durch ein gutes Angebot im BGF-Bereich vorgesorgt. Der Obstkorb am Arbeitsplatz, kostenlose Getränke oder die bewegte Pause werden oft schon als Hygienefaktor betrachtet. Wenn es aber um Ideen und Ansätze geht, um das innere Immunsystem aufzubauen, um die psychische Gesundheit der Mitarbeiter zu erhalten, werden viele Unternehmer deutlich verhaltener. Dabei gäbe es gerade zur Stärkung der Resilienz viele Maßnahmen, die wenig kosten und dennoch große Wirkung zeigen.
Eine wichtige Rolle spielt hier ganz klar das Führungsverhalten durch das mittlere Management. Die direkte Führungskraft kann am besten steuern, wie ein Mitarbeiter Belastung erlebt und verarbeitet. Und das hat überhaupt nichts mit einem „Kuschelkurs“ zu tun, bei dem keine Kritik mehr geäußert werden darf. Vielmehr steht eine von Vertrauen und Respekt geprägte Arbeitsatmosphäre im Vordergrund.

Wie kann jede(r) von uns resilienter werden?

Die natürliche psychische Widerstandsfähigkeit ist bei jedem Menschen unterschiedlich ausgeprägt. Es gibt Arbeitnehmer, die von Natur aus Stress bei der Arbeit nicht an sich heranlassen. Aber auch solche, die den Anforderungen in ihrem Job zwar gewachsen sind, Krisen oder Probleme jedoch psychisch nur schwer verarbeiten.

Mit diesen einfachen Tipps lässt sich die Resilienz stärken:

Ein Netz, das auffängt

Ein wichtiger Baustein für Resilienz sind soziale Beziehungen.
Resiliente Menschen haben ein größeres soziales Netzwerk und pflegen mehr positive und befriedigendere Beziehungen, was insbesondere an ihrer Kommunikationskompetenz und Empathie-Fähigkeit liegt. Denn diese Eigenschaften sind nötig, um langfristige und stabile Beziehungen überhaupt erst aufzubauen.
Außerdem gilt: Wer anderen hilft und ihnen entsprechend gegenübertritt, erhält im Gegenzug Hilfe und Kraft zurück.
Bei belastenden oder stressreichen Lebenssituationen wirkt die soziale Unterstützung durch andere wie ein Puffer, sie mildert die negativen Folgen. Soziale Unterstützung wirkt nachweislich positiv auf die körperlichen Stresssysteme.
Zeit für Familie und Freunde sollte also immer drin sein!

Der Wald – unser Seelentröster

Die Natur hat eine unglaubliche Wirkung auf uns. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass der Wald die physische ebenso wie die psychische Gesundheit von Menschen stärkt. Das Herz schlägt bei einem Waldspaziergang messbar ruhiger, der Blutdruck sinkt, die Muskeln entspannen sich. Zudem werden Stresshormone nachweislich abgebaut, Regeneration tritt ein und Kreativität kann neu in uns wachsen.
In Japan werden bereits Heilwälder zum sogenannten “forest bathing” geschaffen.
Nur zehn Minuten beim Gärtnern, Spazierengehen oder Angeln braucht es, bis die Stimmung deutlich besser und das Selbstwertgefühl erhöht wird – insbesondere bei denjenigen, die unter chronischem Stress stehen.

Tschüss Selbstmitleid!

Resiliente Menschen haben oft ein gut ausgeprägtes Selbstvertrauen und sehen Herausforderungen eher als positive Chance. In Selbstmitleid zu versinken, bringt niemanden etwas. Deshalb ist es ganz wichtig eine positive Grundeinstellung zum Leben finden.

Eine einfache Übung aus der positiven Psychologie ist es, sich jeden Abend an die drei schönsten Momente des Tages zu erinnern. Oft fallen uns dann auch noch jede Menge anderer Dinge ein für die wird dankbar sind. Hilfreich ist es auch sich auf seine Stärken zu konzentrieren, auch hier hilft das Verschriftlichen.
Was können Sie besonders gut? Was zeichnet Sie aus? Und ganz wichtig: Wie können Sie diese Stärken möglichst gewinnbringend im Job einsetzen?

Be SMART…

Ziele sollten so formuliert sein, dass nicht noch zusätzlicher Druck entsteht. Was Projektmanager seit Jahren nutzen, kann auch im privaten Bereich helfen Ziele realistisch zu halten – die SMART-Regel. Hierfür nimmt man sich ein spezifisches Ziel vor, das messbar sowie attraktiv und realistisch ist und bis zu einem bestimmten Termin umgesetzt wird.
Neben zahlreichen digitalen Tools können auch Offline-Tools für eine bessere Organisation im digitalen Alltag sorgen. Verschiedene Organizer bieten eine gute Mischung zwischen Life Coaching und Terminplaner. Übungen zur Selbstfindung und Reflexion helfen Stärken und Schwächen schneller zu erkennen. Durch Monatsreviews ist auf einen Blick erkenntlich, was ausbremst und wie man rechtzeitig entgegensteuern kann. Eine gute Grundlage, um auch in fordernden Lebensphasen effektiv, fokussiert und motiviert zu bleiben und Potentiale optimal zu entfalten.

and stay positive

Neue Herausforderungen und Probleme im Job kennt jeder oder zumindest sollte dies im Idealfall so sein. Immerhin wachsen wir bekanntlich mit unseren Aufgaben. Resiliente Menschen sehen neue Wege als Chance. Statt daran zu verzweifeln, relativieren sie Situationen. Was kann Ihnen im schlimmsten Fall passieren?
Oft ist unsere Fantasie deutlich kreativer, als die Realität.
Hier kann es hilfreich sein Lebensmodelle mit Freunden oder einem Mentor zu reflektieren.